" Art is the concrete representation of our most subtle feelings." — Agnes Martin 

Was ist Kunsttherapie eigentlich? 

Übersicht  

  • Kunsttherapie ist ausdruckszentriert und sowohl verbal als auch nonverbal möglich
  • verbindet Körper-Seele-Geist
  • multimediale und multimodale Kunsttherapie arbeitet mit verschiedenen Medien aus den bildenden und darstellenden Künsten
  • die Medien können jeweils ineinander übergehen  
  • erlebnis —, ressourcen — und lösungsorientiert
  • tiefenpsycholisch fundiert

Für wen und wofür?

  • Für Menschen jeden Alters 
  • u.a. zur: Persönlichkeitsentwicklung und Stärkung des Selbstausdrucks
  • Stabilisierung in Krisen
  • Verarbeitung traumatischer Erlebnisse
  • Bearbeitung und Auflösung emotionaler Konflikte auf einer tieferen, unbewussten Ebene.
  • Beziehungsgestaltung 
  • Förderung kognitiver und feinmotorischer Fähigkeiten 
  • u.v.m. 

Mögliche Wirkung

  • zentrierend
  • beruhigend, entspannend, angstlösend
  • öffnend, erweiternd
  • stärkend, Ich—stärkend 
  • stabilisierend
  • entladend, befreiend, lösend 
  • unterstützend 
  • fördernd 
  • aufbauend 
  • strukturierend, ordnend, klärend 
  • transformierend
  • integrierend 




Ich möchte gerne mehr erfahren


Die Kunsttherapie ist, im Gegensatz zur Gesprächstherapie (einer Form der Psychotherapie), eine vorwiegend nonverbale, ausdruckszentrierte Therapieform, in welcher mit vielfältigen Kreativ-Medien gearbeitet wird.
Expressive Therapieformen mit künstlerischen Medien wurden sogar bereits in der Antike (askläpiadische Medizin) eingesetzt. Das war vor 2.500 - 3.200 Jahren.

In der multimedialen und multimodalen Kunsttherapie können diese Medien, genau wie damals schon, auch intermedial, also kombiniert und in einander übergehend, zum Einsatz kommen. So kann beispielsweise mit einer  Imagination gestartet werden, welche anschließend zuerst bildhaft dargestellt wird und folglich in einer sehr einfachen Bewegungssequenz oder einem Textstück ihren Ausdruck findet. 

Warum Kunsttherapie?

In der Kunsttherapie wird auf Ebene des Kreativmaterials ein Probehandeln auf sicherer Ebene ermöglicht, wodurch sowohl Unsicherheiten und Ängste abgebaut, als auch die Selbstwahrnehmung und das Selbstvertrauen gestärkt werden. 

Die spielerisch- experimentelle und lustvolle Erkundung des vielseitigen Materials fördert die Aktivierung verschiedener Sinneskanäle, wodurch unterschiedliche Erfahrungsqualitäten angesprochen und das Erlebte ganzheitlicher verarbeitet und integriert werden kann.
Des Weiteren erlaubt es die Bearbeitung tiefer liegender Thematiken und Konflikte, welche dem Bewusstsein und der Sprache oft weniger bis nicht zugänglich sind. Mittels des kreativen Ausdrucks können somit auch prekäre Themen, welche ansonsten zu bedrohlich für das Ich wären, thematisiert werden. Die Symbolisierung nimmt dabei eine essentielle Rolle ein. 

Trotzdem der Fokus auf dem kreativ-Schöpferischen und dem Ein- und Ausdruck durch das künstlerische Medium liegt, ist das begleitende professionelle Gespräch ein wichtiger Teil des therapeutischen Prozesses.

»Aber ich bin doch gar kein*e Künstler*in und ich kann doch garnicht malen?!«

Mit dieser Sorge sind viele vertraut, und fühlen sich entmutigt oder gar abgeschreckt, sich auf ein kunsttherapeutisches Setting einzulassen. Vielleicht ist es auch schambesetzt, weil oft seit der Schulzeit die innere Überzeugung besteht: "Das kann ich sowieso nicht!" und "Ich nehme keine Farben mehr in die Hand! Ich male wie ein Kind! "
An dieser Stelle möchte ich gerne ein berühmtes Zitat von Pablo Picasso anführen, der da sagte: "Ich habe vier Jahre gebraucht, um wie Raffael, aber ein Leben lang, um wie ein Kind zu malen!"
Es ist also sogar etwas ganz Besonderes, wie ein Kind malen zu können, frei von jeglicher Konvention. Diese Fähigkeit haben viele von uns schon ganz früh verloren, als wir im Zuge sozialer Disziplinierungen lernen sollten, den Vorstellungen anderer zu entsprechen und "etwas Schönes" zu produzieren. 

»Jeder Mensch ist ein Schöpfer«

Das Wunderbare an der Kunsttherapie ist: Es geht nicht um das Erstellen eines ansehnlichen oder "schönen" Produktes, oder um das Beweisen eines künstlerischen Talents. Sondern um das Erfahren von Gefühlsqualitäten und um unbewusste Prozesse, welche über das künstlerische Medium eine geschützte und sichere Bearbeitung, Aufarbeitung und Transformation erfahren können. Das innere Erleben kann so nach Außen gebracht, aus einer sicheren Distanz betrachtet und in eine ganz eigene ästhetische Form gebracht werden. Indem wir uns die Erlaubnis geben, mit unseren schöpferischen Kräften aus dem Unbewussten in Verbindung zu treten, geschieht etwas Wunderbares: wir kommen in Kontakt mit uns selbst, mit etwas Höherem und mit der Gestaltungsfähigkeit des eigenen Lebens. 

Welche Medien können zum Einsatz kommen?

Alle Materialien/ Medien sprechen jeweils unterschiedliche Gefühlsqualitäten an und können hinsichtlich ihrer Wirkung und entsprechend der vorliegenden innerseelischen Thematik und aktuellen Verfassung gezielt eingesetzt werden. 

Beispielsweise sind Ölkreiden, Filzstifte, Buntstifte, Graphit etc. in ihrer haptischen Beschaffenheit fester, bieten mehr Widerstand und ermöglichen ein kontrolliertes Arbeiten, wodurch sie eher strukturierend und stabilisierend wirken können. Sie können auch Entladung begünstigen. 

Hingegen laden pastose oder flüssigere Farben, wie beispielsweise Gouache, Acryl, Aquarell, Wasserfarben etc. dazu ein, in einen unvorhersehbareren, sinnlichen Dialog mit der Farbe zu treten, welcher das Fließen, das Geschehen-,  und das sinnliche-sich-Einlassen fördert. 

1. Bildnerische Medien


2-dimensionale Arbeiten: z.B Ölkreiden, Pastellkreiden, Kohle, Graphit, Bleistift, Buntstift, Filzstifte, Marker, Gouache, Wasserfarbe, Acryl, etc. werden auf unterschiedlichen Trägermaterialien wie Papier, Karton, Leinwand, Plexiglas, etc. aufgetragen. Mit Magazinen/Zeitungen/Karten etc. können Collagen angefertigt werden.

Auch Fotografie kann einfließen.

3-dimensionale Arbeiten: Es können mittels Modelliermasse, Plastellin, Gips, Speckstein, Holz, Karton, Papiermasché, Draht, Stoff, Schnüren, Perlen, Plastik und diversem Recycle-Material etc. dreidimensionale Objekte wie z.B. einfache Skulpturen oder Masken entstehen.

Es muß aber kein bestehen bleibendes Endprodukt entstehen. Speziell in der Arbeit mit Ton stehen die körperliche und emotionale Erfahrung des Prozess-Erlebens im Vordergrund. Der kühle, feuchte oder auch nasse Ton kann geknetet, damit gewärmt und verformt werden. Berührung, Halt, Entstehung und Verwandlung können sich abzeichnen. Was geformt wird, kann auch jederzeit wieder verworfen und modifiziert werden. 

2. Darstellende Medien

Die multimodale Kunsttherapie ist als ganzheitliche Therapiemethode auch körperlich ausgerichtet. So können beispielsweise auch rhythmisch-tänzerische (sehr einfache und Ausdrucks-, nicht Choreographie-geleitete), musikalische, stimmliche oder schauspielerische Sequenzen Eingang in die gemeinsame therapeutische Arbeit finden. 


In der Kunsttherapie geht es darum, eine Verbindung zu dem herzustellen, was uns innerlich berührt und bewegt, und die Möglichkeit zu haben, dies in einer geschützen Weise nach Außen und ins Bewusstsein zu bringen. Ein innerer Eindruck kann so zum Ausdruck werden, welcher gleichzeitig wieder einen Eindruck in uns hinterlässt usw. 
Durch diese Reziprozität zwischen Innen und Aussen, zwischen dem Erleben und dem Gestalten des Materials können:

  • innere wie äußere Prozesse klarer  
  • neue Handlungsspielräume erprobt und erweitert
  • der Selbstausdruck, die Selbstwirksamkeit, die Gestaltungsfähigkeit und die eigene Integrität gestärkt werden. 

Hinweis: Dieses Angebot ist unterstützend, nicht heilend. Es dient der Selbsterfahrung, dem kreativen Selbstausdruck und der persönlichen Entwicklung. Es ersetzt keine medizinische oder psychotherapeutische Behandlung. 

Das klingt interessant! Gibt es Beispiele?

Ja, sehr gerne! 

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